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Kategorie: Comic


Cyberpunk Comics – Geheime Wunder – 3/n

21. September 2010 - 00:06 Uhr

Wie in allem gibt es bei Cyberpunk-Comics die Highroller, die gut gemeinten Versuche und jene, die irgendwo dazwischenliegen. Heute geht es um letztere, die unbekannten Schätze aus den hinteren Kisten. Sie lohnen sich nämlich auch und manchmal noch mehr als die Schnelldreher in den Regalen. Denn sie sind Cyberpunk im Stoff gefärbt, diese Storys funktionieren nur im Rahmen von Cyberpunk. Falls Ihr auf einer Comic-Börse über sie stolpert, holt sie euch.

Forever Amber: Don Hudson: Amber ist eine Art KopfgeldjägerIn. Sie jagt Mitarbeiter ihrer Megacorp, die gekündigt haben. Denn niemand darf kündigen, es herrscht Vollbeschäftigung. Und zwar unerbittlich, wie ein flüchtender Wissenschaftler feststellt. Konzernintrigen und übertriebener Waffeneinsatz folgen.
Leichte, schnelle Zeichnung, gute Story, einige schöne Twists. Alles, was man sich von einem guten Comic erwünschen kann. Eine Story vor allem für Corps und Solos, die werden sie aber lieben.
Inklusive Game Stats des Hauptcharakters.

Accelerate: Richard Kadrey, Pander Bros.: Hitec Gangers hustling high. Eine kleine Gruppe von Freunden, die sich inmitten der rivalisierenden Gangs des ehemaligen L.A. durchschlagen. Kleine Diebstähle und Abzockereien eskalieren als eine Droge ins Spiel kommt – Accelerate. Das High macht so schnell, daß alle anderen Menschen still stehen. Die Junkies befinden sich in einer gänzlich neuen Zeit, in der einfache Knarren nicht funktionieren. Zu langsam.
Feines Konzept, schöne Ausführung, interessante Storystwists. Gute Unterhaltung. Gutes Material für Ganger und Fixer.

Cyberella: Howard Chaykin, Don Cameron: Der Elektroladen in Roswell hat Alien-Technologie abgegriffen, die ihnen bis zum Ende des Jahrhunderts totale Macht als Megacorp in ihrem Teil der Welt gegeben hat – Slangeliego. Eine Stadt, die sich über die gesamte Westküste der USA erstreckt. Die Bevölkerung hört, sieht und atmet Corporate Propaganda und die fokussiert sich in Cyberella. Als Online-Game, duft und Kleidungsmarke, mit denen sich die einfachen Leute abends in ihre Simulationssärge legen. Alles ist gut, alle sind subliminal beglückt. Doch dann läuft etwas falsch.
Krasse Story-Twists (die teilweise in Richtung Shadowrun gehen), sehr schöne Seiten – leider habe ich nur die ersten vier Hefte von 12. Ärgerlich.

Hypersonic: Dan Abnett, Steve White, Gary Erskine: “2009. The skies over Northern Laos. Below an Army is on the move.” Amerikanische F-16 Piloten in ihrem zweiten Vietnam, diesmal aber direkt gegen die Chinesen. Es ist ein dreckiger Krieg, in dem die Piloten nur noch mit Speed und Amphetaminen über Wasser gehalten werden. Einer der Piloten sieht über dem Schlachtfeld einen Foo Fighter und geht der Sache auf den Grund. Klassische Kriegsgeschichte mit Konspirationen und MIBs.
Großartige Zeichnungen machen die Kriegsgeschichte zu einem visuellen Fest. Lohnend.

Shaolin Cowboy: Geofrey Darrow, Peter Doherty: Schwer zu beschreiben. Und doch so einfach. Zeugnisse hoher Druckkunst, gefüllt mit der besten Comic-Kunst und viel Text. Gesprochen wird der von einem Esel, dem Begleiter des Shaolin Cowboy. Auch Krabben haben Sprechrollen in der Post-Apokalypse. Was aber geschieht? Kämpfe. In Slow-Motion und glorreichen Farben über lange Seiten, kommentiert durch einen plappernden, britischen Esel. Man hat es in der Hand und fragt sich:
Wow. Wow! Aber was mach ich jetzt damit?
Dieses Comic durchschlägt den Absurdometer nach oben. Und dennoch schlägt man es auf und weiß: Diese schönen Hefte haben sich gelohnt.

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Kategorie: Comic, Cyberpunk, Spielerei

Cyberpunk Comics – One Sh*t Wonders – 2/n

18. September 2010 - 02:42 Uhr

Beim letzten Mal schrieb ich über die Besten der Besten, graphische Novellen mit dem Prädikat wertvoll. Aber die Dinge laufen nicht immer so gut für Comic-Autoren. Manchmal ist es die Verlagspolitik, an der sie scheitern. Andere sind einfach noch zu früh dran, die Welt ist noch nicht reif für ihre Ideen. Diese Dinge geschehen. Aber meistens liegt es einfach daran, daß sie schlechte Storys geschrieben haben.

Die heute folgende Auswahl zeichnet sich dadurch aus, daß es von ihnen jeweils nur eine Ausgabe gab, allerhöchstens zwei. Das gute ist, dies macht sie selten. Das schlechte ist, leider nicht unbedingt begehrt.

August: James Murphy, Stephen Meryk Colgan: Repo Girl in Soho, Londons dereguliertem Borough. Großartige Einleitung, danach folgt das, was man erwarten würde. Ein wildes Gefecht mit einem Klienten, dann die Auftragsvergabe und der Cliff Hanger. Methodisch richtig. Von allen One Shots zeigte dieser die meiste Hoffnung.

Skid Roze: Miles Gunther, Jason Burrows: Ein klassisches Mad Max-Szenario mit finsteren Banden in der dystopischen Wüste und Wissenschaftlern in verborgenen Oasen. Gute Zeichnungen, nette Story, leider ist das Konzept nicht neu.

Zaibatsu Tears: Richard Bartrop: Ich zitiere aus dem Nachwort – “Why Zaibatsu Tears? I suppose the main reason I did it was the apparent absurdity of the concept “funny animal cyberpunk”. Dem habe ich wenig hinzuzufügen. Guter Zeichner, Schwächen in den Dialogen, gangbare Story. Aber CyberFurrys sind einfach falsch.

Zero Street: Thomas Hong: Deutliche Manga-Züge im amerikanischen Format. Nettes Mädchen von nebenan entpuppt sich als Cyborg-Killer. Es folgen wilde Gefechte als sie einen Hit ausführt und an die Wand fährt. Wenig überraschend.

Negative One: Eirich Olson, Robert Kilgore: Hiervon gab es tatsächlich eine zweite Ausgabe. Das liegt sicherlich vor allem an den Zeichnungen, die durchweg gute Qualität haben. Und auch das Szenario ist hinreichend komplex: Die Weltregierung hat die Kernwaffen beseitigt und zum Wohlstand geführt – wie üblich nicht für alle und die Unterschicht gräbt sich nun in den Untergrund auf der Suche nach Unabhängigkeit. Der Held ist der Chef der Anti-Terror-Einheit, in der Story wird er mit einer Reihe von Anschlägen von Dritten konfrontiert. Und die dritten sind natürlich seine Auftraggeber. Das fand ich schade.

Caligari 2050: Ken Holewczynski: Caligari ist ein geheimes Forschungsprojekt in KI-Technologie. Der resultierende Computer wird natürlich selbstbewusst und beginnt menschliche Schläfer zu programmieren. Ein Mensch namens Caesar wird zu seinem Assassinen und führt schlafwandelnd seine Jobs aus. Er begegnet dabei einer jungen Dame, die ihn mit einem ‘Ich liebe Dich!’ zum rechten Zeitpunkt erlöst und den Computer logischerweise zerstört.
Seufz.
Die Idee mit den Sleeper Agents ist gut, der Rest so berechenbar wie das Setup der Story. Leider sind die Zeichnungen genauso unbeeindruckend wie die Story. Falls Ihr zufällig über das Heft stolpert, kauft Euch ne Tageszeitung. Darunter kann man besser schlafen.

Next Time: Nach diesem Rundumschlag folgen beim nächsten Mal einige gute Auftritte, an die man sich heute leider nicht mehr erinnert.

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Kategorie: Comic, Cyberpunk, Spielerei