Warfare 2010
7. Juli 2010 - 10:17 UhrWie sehen Konflikte in der Nahen Zukunft aus? Abgesehen von Drohnen und dem Netz als Schlachtfeld ändert sich kaum was. Es gibt wie immer nur um Sex, Death and Tourism, Einschalt- und Ausschaltquoten müssen eben stimmen.
Rent-a-Soldiers in zweifelhaften Einsätzen: Blackwater war nur ein bekanntgewordenes Beispiel. Weshalb sie wohl auch heute noch im Spiel sind – wenn auch unter anderem Namen. Allem Aufschrei zum Trotz werden sie bei allem eingesetzt, daß nicht nach einer offenen Feldschlacht aussieht. Mithin allem, was die Kriegsführung im 21. Jahrhundert hergibt.
Das ist gut wie auch schlecht. Einerseits gibt es den geistig Kriegsversehrten der demokratisch gewählten Kriege eine Heimat, andererseits sind sie auch keiner staatlichen Aufsicht untergeordnet. Sie können tun und lassen was sie wollen – was sie denn auch tun. So hat sich in den wenigen Jahren ihrer Öffentlichkeit ein Kern von Sicherheitsfirmen hervorgetan, die ihre Aufgaben sauber erledigen. Sie sind nett zur Zivilbevölkerung oder es gibt keine Zeugen. Die Einsätze der Staaten haben damit durch die Wahl der Einsatzkräfte ein unterschiedlich hohes Ansehen.
Anlass zur Sorge gibt derweil der steigende Umsatz dieser Unternehmen. Offen und verdeckt betreiben nun Rüstungsunternehmen den Aufkauf der guten Namen im Söldnergeschäft. Um sich ein Standbein im Krieg des angebrochenen Jahrhunderts zu sichern, wie auch der Imagepflege wegen. Tighte Action geht nur mit ner MP-5k, das wissen wir seit 1977.
Fucking Wertarbeit vs. hyper-immersed Drone-Shootists heißt das Spiel dadraußen.
Grassroots Activism und Friedensstifter: Die westliche Zivilisation nimmt sich so langsam selbst wahr. Nach und nach merkt unsere Kultur, wie sie auf andere wirkt. Und sie hat Antikörper für die Krebszellen unserer Kultur entwickelt. Eine neue Kultur von Schlichtern bahnt sich ihren weg, Menschen, die zwischen 1 und 0, Jubel und Verdammnis, noch eine Welt von Menschen sehen. Es sind noch wenige, aber ihr Mut und ihr Beispiel haben nicht nur einmal die ‘tubes slashdotted.
Jedes Jahr gibt es ein Paar Leute, die sich dazwischenstellen. Bisweilen werden sie dabei aufgenommen, meistens nicht. Es ist das ungeschriebene Gesetz, daß sie anonym bleiben. 4chan forward.
WarCoding: Schon heute sind regierungsnahe Gruppen einiger Staaten – kein direkter Einfluß, full deniability – am Werke, Nachbarstaaten auszuheben. In anderen Staaten ist der Einfluß genauer zu lokalisieren. Nichtsdestotrotz haben .gov-Hacker eine führende Rolle – deren Erzeugnisse nicht selten in die Public Domain fließen. Von Petersburg bis Langley, ihre Rüstungsspirale ist unaufhaltsam, kein Gleichgewicht der Kräfte in Sicht. Was mithin daran liegt, daß in Petersburg und Langley riesige Local Clouds existieren, Fehler aber immer geschehen. Und diese können auch von einem Hacker aus dem Niger auf 2400 Baud genutzt werden. Easy Money.
Das denken sich auch tausende von Fanbois, Tuxisten und Patrioten. Sie veranstalten DOS-Attacken gegen den Feind du jour oder besorgen BlackMatter gegen politische Feinde. Ohne staatliche Aufsicht, aber mit viel Wohlwollen hoher Stellen.
Das ganze wird nicht umsonst Warcoding genannt. Warcoder operieren zielgerichtet, mit den Ressourcen eines Staates oder einer Corp hinter sich. Hacker funktionieren anders, wenn auch überschneidend.
Staaten: Es gibt sie immernoch und sie haben auch noch relevanz. Wenn auch in einem vielfach präkeren Gleichgewicht mit den MegaCorps. Staaten sind sinnvoll und nützlich, auch zum Nutzen der Corps. Sie halten die Dinge in Ordnung und geben den Menschen Ziele. Allen relevanten Spielern ist bekannt, daß die Idee der Nation in sich viel zweischneidige Kraft birgt, weshalb proaktive Ersetzungen von Nationen durch Unternehmen bislang rasch unterbunden wurden.
Rohstoffkonflikte: In der Arktis und Antarktis, in der chinesischen See, eigentlich überall auf der Welt gibt es mehr oder weniger bewaffnete Konflikte über Rohstoffe. Ein großer Krieg hilft niemandem, weswegen man sich wie in den letzten 50 Jahren zuvor auf Proxy-Wars beschränkt. Davon gibt es dafür recht viele. Die Arktis selbst wurde durch ein heikles Stück Arbeit aufgeteilt, das vor allem darauf fußt, daß die ausbeutenden Unternehmen allen Beteiligten Abgaben zahlen.
Eine Unterart der Rohstoffkonflikte ist der Kampf um Wasser. Einige vorrausschauende Regierungen haben beizeiten Wasseraufbereitungsanlagen gebaut, andere ihr Geld in Streitkräfte gesteckt, die die Zuflüsse ihres Landes sichern sollen. Dritte kaufen in anderen Staaten Quellen auf, um (Markt-)Macht zu erlangen.
Sabotage, politischer und wirtschaftlicher Druck sind hierbei die häufigsten Mittel, anders als bei den Befreiungskriegen.
Ökonomischer Terrorismus: Der Nachfolger des alten Schreckgespensts Islamischer Terrorismus. Seit Carlos dem Schakal wissen wir, daß Terroristen käuflich sind. Das sie ihren Preis haben wußten wir schon vorher. Geändert haben sich die Ziele nur marginal – unter dem Deckmantel einer ökologischen oder religiösen Ideologie sprengen Menschen Dinge in die Luft, um ein Zeichen zu setzen. Nach wie vor wird ihnen dies von den Medien gewährt – Blut an überraschenden Stellen hat seinen Sensationswert in einer von Sensationen übersättigten Gesellschaft.
So haben nicht nur Sabotageakte an Abbauanlagen, sondern auch mediengesteuerte Mordanschläge zugenommen. Die Welle fing in Südamerika an und wurde in Europa verfeinert zu einem illegalen Quotenbringer.

